Transformatives Lernen - Teil 1

von Peggy Kammer

Peg van Lou
Peg van Lou

 

Transformatives Lernen - das ist, was wir im Wandelforum befördern und unterstützen wollen. Und hier sind wir echt Experten. 

 

Transformatives Lernen - eine neue Reihe in unserem Blog.

 

 

 

Wir wollen alles teilen, was wir erforscht, beobachtet, am eigenen Leib erfahren und reflektiert haben. Und wir wollen weitermachen, es in die Welt bringen und alles geben, was wir wissen und können.

 

Und wir wollen weiter lernen, mit dir und mir und uns. 

 

Transformatives Lernen ist anspruchsvoll und fordert uns bis zum Äußersten. Gleichzeitig ist das Prinzip, was dahintersteckt, einfach. Oh Wunder des Lebens!

 

 

Die Buddhisten sagen: "Vor der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen. Nach der Erleuchtung: Holz hacken und Wasser tragen." Aber dazwischen passiert etwas Magisches, was alles verändert: Transformatives Lernen ...

Transformatives Lernen - was ist das eigentlich?

Wenn wir Wikipedia bemühen, finden wir folgende Beschreibungen der beiden Begriffe "Lernen" und "Transformation":

 

Lernen ist der individuelle oder kollektive Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Oder auch: Lernen ist ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens, Denkens oder Fühlens.

So weit, so klar, so unspektakulär. 

 

"Die Fähigkeit zu lernen, ist eine Grundvoraussetzung, um sich besser den Gegebenheiten des Lebens und der Umwelt anpassen zu können, darin sinnvoll zu agieren ......" Und jetzt kommt es: "und sie [die Um-Welt] gegebenenfalls im eigenen Interesse zu verändern." (Welcher Fall gegeben sein muss und was das eigene Interesse ist, bleibt erstmal offen...).

 

Sich anpassen und einfügen - das ist Lernen erster Ordnung. Das brauchen wir,  sonst würden wir gar nicht durchkommen.

 

Irgendwann stößt dieses Lernen aber an Grenzen: Dann, wenn die bisherigen Antworten nicht mehr gültig sind und uns nicht weiterbringen, sondern eher behindern. Dann, wenn wir in einer Krise sind - innen oder/und außen. Dann, wenn wir schöpferisch sein müssen.

Genau dann ist das Lernen zweiter Ordnung gefragt: Transformatives Lernen

 

Transformation heißt soviel wie Umformung, Umgestaltung, Umwandlung - eine deutliche Veränderung einer grundlegenden Eigenschaft, zum Beispiel der Form.

Jack Mezirow, ein amerikanischer Soziologe, beschreibt transformatives Lernen als eine Perspektiven-Transformation, als Lernen zur metakognitiven Denkweise. Oho. Anders formuliert: Es geht nicht nur darum, die Gründe für ein Verhalten zu reflektieren, sondern den Wahrheitsgehalt der Gründe zu durchleuchten. 

 

"Wir räumen ein, dass das menschliche Leben armselig ist. Doch wie fanden wir heraus, dass es armselig ist?" (R.W. Emerson)

 

Wenn wir eine Meta-Ebene einnehmen und die Kriterien, nach denen wir alles bewerten, in Frage stellen - dann sind wir auf dem Weg, transformativ zu lernen. 

Die 6 Ebenen des Lernens

Rainer hat in seinem letzen Buch "Tough Love - Führung ist Beziehungsarbeit. Ständig." sechs Ebenen des Lernens beschrieben.

(Das Buch musst du unbedingt kaufen - es ist sehr gut!)

Ich zitiere: 

sich üben und sich aneignen

FotoHiero/pixelio.de
FotoHiero/pixelio.de

Sich üben.

"Dadurch Lernen, dass man einfach immer und immer und immer wieder dasselbe tut. Mit jedem Übungsdurchgang findet weitere Differenzierung im Detail statt. Und wir wissen ja: der Teufel steckt im Detail. Übung macht den Meister, nur durch Übung meistert man sein Handwerk. In allen handwerklichen Belangen also: Üben. Das ist die demütigste, aber vielleicht auch zauberischste Art des Lernens überhaupt. Erleuchtung, so sagen uns die buddhistischen Weisen zum Beispiel, erlangen wir durch die immer wieder gleichen Wiederholungen von Wiederholungen derselben geistigen und körperlichen Routinen. Das ist das transformative Versprechen der Redundanz."

 

Sich aneignen. 

"Neue Fähigkeiten erwerben und ausbilden Sich die Grundzüge einer neuen Kompetenz zu eigen machen. Eine neue Sprache lernen, eine neue Rolle lernen, ein neues Handwerk, eine neue Perspektive meistern. Den ganzen Weg gehen, von der unschuldigen Inkompetenz bis zur schuldfähigen Kompetenz. Das braucht immer wieder Mut, noch unerschlossenes Terrain zu erkundigen. Das braucht immer wieder Demut vor der eigenen Unvollkommenheit und damit, in welche Zustände die einen versetzt. Und es braucht Beziehungen zu Leuten, die einem bei all dem helfen, so gut sie es können."

sich erlauben und sich begrenzen

Uta Herbert/pixelio.de
Uta Herbert/pixelio.de

Sich erlauben.

"Es gibt eine Begrenzung in dem, was man durch Wiederholung und Übung und Anstrengung, durch immer mehr desselben erreichen kann. Diese Bemühungen setzen gewisse Werte voraus,
die sie nicht in Frage stellen. Sie beinhalten einen energetischen Einsatz, den man nicht ein ganzes Leben lang ununterbrochen geben kann. Beide setzen auch eine Naivität voraus, die man nicht
unendlich lange aufrechterhalten kann. Manchmal geht es darum, was man sich erlaubt. Das sind Dinge, die auf der Verhaltensebene einfach sind, die man als Verhalten eigentlich nicht üben muss, die aber auf der Beziehungsebene anspruchsvoll sind: Nein sagen. Einen Konflikt als Erster ansprechen. Etwas ausdrücken, was sonst niemand ausdrückt. Die eigene Wahrheit aufrechterhalten, auch wenn man in der Minderheit ist, oder gar allein. Nach vorne treten, auch wenn alle anderen stehen bleiben."

 

Sich begrenzen. 

"Hier geht es darum, Klarheit darüber zu erlangen, was man tun könnte, was vielleicht sogar offen oder verdeckt von einem erwartet oder gefordert wird, was einem sogar bestechende kurzfristige Vorteile brächte – was man aber eigentlich nicht tun will. Weil es den eigenen Kernwerten widerspricht, weil es Beziehungen nach sich zieht, die man so nicht eingehen will, weil es einen sonst irgendwie kompromittiert oder korrumpiert. Das kostet immer Mut und bringt einen eventuell in ernste Konflikte mit der Rolle und deren Stakeholdern. Aber es weist einen auch aus als jemand, der persönliche Integrität ausstrahlt. Und das inspiriert Vertrauen. Wie auch immer: mit den Folgen der eigenen Werteentscheidung wird man leben müssen, und wohl auch letztlich wollen; selbst, wenn man sie nicht immer absehen kann."

sich beziehen und sich entziehen

Peg van Lou
Peg van Lou

Sich beziehen.

"Manchmal kommen wir auf unserer Heldenreise der Führerschaft erst dann weiter, wenn wir ganz real – Auge in Auge, ich und du, High Street High Noon, [...] – auf der Beziehungsebene mit der anderen Person in den Ring steigen. Wer bist du für mich, wer bin ich für dich? Dieses Lernen beinhaltet natürlich ein Bewusstsein über die Rang- und Abhängigkeitsverhältnisse. Sie beinhaltet den Mut, zu sich selbst und zur eigenen Wahrheit zu stehen. Und sie beinhaltet die Demut, sich auch in den anderen hineinzuversetzen, indem man zuhört. Die Ergebnisse dieses Lernens bestimmen unseren Lebens- und Karriereweg, den Rhythmus, in dem uns Dinge geschehen und wie wir auf sie antworten."

 

 


Sich entziehen. 

"Manchmal – hoffentlich nicht zu häufig, hoffentlich nicht zu selten – kommen wir auf unserem persönlichen Weg der Führerschaft nur weiter, wenn wir gehen. Wenn wir kündigen, wenn wir Schluss machen, wenn wir uns verabschieden von unserem bisherigen kulturellen Archipel, so dass wir zu einem neuen segeln können. Unsere Entscheidungen an dieser Stelle sind schicksalhaft, und die treffen wir nicht leichten Herzens.

Sie beinhalten in der Regel eine offene oder implizite Antwort auf die Frage: was ist der Unterschied, den ich machen möchte in diesem Leben und in dieser Welt? Meine Antwort auf meine Existenz? Welches ist der Club, als dessen Mitglied ich diesen Unterschied am wirkungsvollsten machen kann? Der ihn auch am meisten braucht und würdigt und es überhaupt wert ist?

 

Die Antwort auf diese Fragen resultiert in einer darauf, ob wir noch ein Mitglied des Clubs sind, der den Beitrag würdigt und fördert, den wir machen möchten. Manchmal ist die Antwort ‚nein‘, und dann heißt es, von der Großen Freiheit der Wahl Gebrauch zu machen. Der Mut, der hier gefragt ist, ist offensichtlich. Die Demut, die gefordert ist, ergibt sich daraus, dass wir nicht nur für uns selbst verantwortlich sind. Aber auch aus der Verpflichtung, die daraus erwächst, uns selbst zu folgen, wenn wir uns führen wollen."

Die Ebenen des Lernens zeigen sehr anschaulich das Lernen erster und zweiter Ordnung: Üben und Aneignen vs. Erlauben und Begrenzen. Die Entscheidung zur Beziehung oder zum Entziehen sind das Ergebnis unserer Erlaubnisse oder Begrenzungen ... Alle sechs Ebenen berühren und betreffen das Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft. Was ist größer, was ist mächtiger? Welche Kriterien gelten bei unseren Entscheidungen? ...

Transformatives Lernen - 7 Fragen

Vielleicht magst du parallel zu dieser Blogreihe zum Transformativen Lernen deinen eigenen Entwicklungsprozess anstoßen, weiterführen und reflektieren? 

 

Hier sind die ersten 7 Fragen, die dich dabei unterstützen:

  • Womit konfrontiert dich das Leben gerade?
  • Auf welche Herausforderung hast du keine Antwort?
  • Welches Verhalten und welche Fähigkeiten brauchtest du, um zu antworten?
  • Was müsstest du dir erlauben, um das zu tun?
  • Was (und wer) hält dich ab?
  • Wem oder was fühlst du dich verpflichtet?
  • Und wie geht es dir damit - was passiert in dir?
Edward Hopper "Das Fenster zum Meer"
Edward Hopper "Das Fenster zum Meer"

Ausblick

 

In den nächsten Artikeln lernst du u.a. Pawlows Katze kennen, entdeckst die Wandelbarkeit deiner Identität, erfährst, was Transformation sein und bewirken kann und erforschst die Grenzen der Veränderung ... 

 

Frohes Lernen einstweilen.


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