Transformatives Lernen - Teil 2

von Peggy Kammer

Transformatives Lernen Teil 2
Peg van Lou

Nachdem wir im ersten Artikel unserer Reihe "Transformatives Lernen" das Lernen erster und zweiter Ordnung kennengelernt und die 6 Ebenen des Lernens betrachtet haben, soll es heute eine Überraschung geben.

 

Transformatives Lernen ist schöpferisches Lernen.

 

Und schöpferisch sind wir immer dann, wenn wir etwas Neues denken, fühlen und tun - wenn wir uns selbst und andere überraschen.

 

 

Und das hat eine Menge mit der Frage zu tun, was wir uns erlauben, zu tun ...

Pawlow und seine Hunde

Iwan Pawlow war russischer Mediziner und Physiologe - und der mit dem Hund. Er entdeckte das Prinzip der klassischen Konditionierung basierend auf der Überzeugung, dass Verhalten auf Reflexen basieren kann: Ursache und Wirkung.

 

Wenn Hunde Futter sehen oder riechen, produzieren sie mehr Speichel. Genau so ist es bei uns Menschen: Wenn wir etwas Leckeres zu essen sehen - ob real oder in Gedanken - steigt der Speichelfluss. Pawlow kombinierte die tägliche Futtergabe mit einem Klingelton.... und irgendwann reichte der Klingelton ohne den Anblick von Futter, dass der Hund mehr Speichel produzierte. Im Gehirn des Hundes gab es eine neue Gleichung: "Klingeln = Futter. Also mehr Speichel, bitte."

 

Ich weiß nicht, ob es das gleiche Experiment auch mal mit Menschen gab. Aber wir alle kennen solche konditionierten Reflexe. Wir haben gelernt, in Situation x immer mit dem Verhalten y zu reagieren: "Wenn jemand das zu mir sagt, flippe ich immer aus." oder "Wenn du das tust, werde ich immer so reagieren."

"Wenn ich nichts zu essen habe, bekomme ich schlechte Laune. Da kann es klingeln oder nicht." Wenn... dann ... Eine Ursache hat immer die gleiche Wirkung. Und täglich grüßt das Murmeltier. 

 

Der "Pawlowsche Hund" ist mittlerweile zu einer Art geflügeltem Wort geworden für ein fast schon zwanghaftes Verhalten. Auf einen Reiz erfolgt immer die gleiche Reaktion. 

Kennst du Pawlows Katze?

Eddie Izzard, ein britischer Comedian, erzählt hier kurz von Pawlow und der Testreihe mit dem Hund. Dann aber kommt die Katze ins Spiel ...

Die Katze tut jeden Tag etwas anderes. Sie pfeift auf die klassische Konditionierung von Reiz und Reaktion. Sie spielt mit Pawlow. Und am Ende übernimmt sie die Führung ... 

 

Pawlows Katze zeigt uns, was transformatives Lernen ist: Aussteigen aus der ewigen Wiederholung des Selben, aus den erlernten Schleifen unseres Gehirns, aus der zwanghaften Redundanz von Verhalten, was auf einen Reiz folgt. Aussteigen aus der scheinbaren und uns stark begrenzenden Gesetzmäßigkeit von "immer wenn ...., dann tue/sage/fühle ich ...". 

 

Am Anfang ist uns die Konditionierung überhaupt nicht bewusst. Wir tun oder sagen etwas und merken nicht, dass wir immer die gleiche Reaktion in uns haben und außen zeigen.

 

Irgendwann fällt uns dieser Zusammenhang aber auf

  • entweder weil wir ein Feedback von außen erhalten ("immer weinst du, wenn ...", "das war ja klar, dass du wieder ...", "jetzt kommt natürlich ... von dir")
  • oder weil wir selbst darunter leiden ("jedes Mal, wenn ich diesen Satz höre, erstarre ich", "ich werde stets wütend, wenn ...", "ich bekomme immer einen Heulanfall, wenn ...")

 

Unsere Reaktion funktioniert nicht mehr. Sie ist vorhersehbar, dreht immer die gleichen Kreise und es kommt - logischerweise - nichts anderes dabei heraus. Ursache und Wirkung sind festgefahren: Der Streit eskaliert, wie immer. Ich versinke in Selbstmitleid, wie immer. Ich ziehe mich zurück, wie immer. Ich beschimpfe die anderen, wie immer. usw... Alles ohne Coda. 

Transformatives Lernen - überrasche dich selbst ...

.. und dein Umfeld.

 

Wie wäre es, wenn du mal nicht nach Schema F funktioniertest?

Was wäre, wenn du statt ... mal ...? 

 

Hier sind wieder 7 Fragen für deinen Lernprozess:

  • In welchen Situationen reagierst du wie ein Pawlow'scher Hund?
  • Welches Verhalten zeigst du dann?
  • Was daran stört dich?
  • Was passiert zwischen dem Reiz und deiner Reaktion in deinem Inneren?
  • Welche 5 alternativen Reaktionsmöglichkeiten fallen dir ein?
  • Wähle die merkwürdigste, kühnste und unwahrscheinlichste Variante und male dir aus, wie es wäre, das nächste Mal so zu reagieren: Welche Sätze und Gefühle tauchen jetzt auf?
  • Was hält dich, das Verhalten in die Tat umzusetzen?

 

Im nächsten Teil unserer Reihe "Transformatives Lernen" geht es um Identität und Identifikationen. Bis dahin viele überraschende Momente ... Miau.


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