Wie kann ich die Welt verbessern - Die goldene Regel

von Peggy Kammer

Wie kann ich die Welt verbessern - Die goldene Regel

Im Prolog zu unserer neuen Blogreihe "Wie kann ich die Welt verbessern?" haben wir versprochen, dass wir uns auf den Weg nach Antworten begeben.

 

Zum Einstieg widmen wir uns einer universellen Regel, die so einfach ist und - vielleicht gerade deshalb - so herausfordernd in der Umsetzung. 

Intro - oder: Eine Lanze für den Idealismus

Die Welt verbessern?

Ein idealistisches Ziel. Ja, auf jeden Fall.

 

Seit der Gründung des Wandelforums erlebe ich immer wieder eine Resonanz: "Na, ihr seid ja Idealisten." Die Aussage an sich ist nicht weiter Aufsehen erregend. Was mich irritiert, sind Blick und Tonlage dabei. Manchmal leicht amüsiert, vielleicht ungläubig, manchmal provozierend oder auch abwertend... Idealismus hat keine Heimat in der Öffentlichkeit - im Gegenteil. 

Ich wundere mich darüber. Ich wundere mich, wie schnell man in eine Spinner-Ecke oder ins Träumer-Land verbannt wird, wenn man Ideale hat, denen man folgt. 

(mehr zum Idealismus bei Wiki)

 

Wenn wir nun auf die Suche gehen nach Antworten und Wegen, um die Welt zu verbessern, tun wir dies mit einem Ideal im Kopf und im Herzen - jede und jeder von uns mit einer jeweils eigenen Perspektive und mit einem Bild davon, wie es wäre, wenn alles "gut" ist.

 

Die Ideen, die wir teilen werden, sind immer eines von 7,32 Milliarden Puzzleteilchen.

Im besten Fall zumindest. Leider gibt es viel zu wenige "Spinner", die überhaupt ein Teil zum Gesamtbild beitragen. Wer in der grauen Masse bleibt und sich nicht traut (?), verrückt zu sein, ein Spinner und Idealist, und einem Traum zu folgen, ist gar nicht da. Wie traurig. 


Deshalb jetzt und gerade und trotzdem: Ein Hoch auf den Idealismus!

Wie viel ärmer und trostloser wäre unser Leben ohne ihn.


Und wenn ich nur einen Wunsch frei hätte - und das habe ich (warum auch nicht) - dann bitte diesen: Jeder Mensch möge den Spinner in sich entdecken. Danke.

Wie kann ich die Welt verbessern: Die goldene Regel

Das erste Ideal in unserer Reihe ist so einfach und so wirkungsvoll. Gleichzeitig ist es kein einfaches Rezept, weil es unsere Aufmerksamkeit fordert. Die goldene Regel finden wir in allen Religionen und sie ist ein alter und verbreiteter Grundsatz der praktischen Ethik: 

"Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst." 

 

Oder, wie ein altes Sprichwort sagt: "Was du nicht willst, das man dir tu', das füg auch keinem andern zu." Simpel, fast schon schnöde. Man nickt unwillkürlich, stimmt zu. Was verbirgt sich aber dahinter?

 

Ich gestehe: Ich wollte zuerst das ganz große Ding draus machen - mit Kant und dem kategorischen Imperativ und so. Nachdem ich mich verlaufen hatte, kam ich zu der einfachen und auf der Hand liegenden Antwort: Mitgefühl. Nichts anderes steckt hinter und in der Regel. Schlichte Empathie. Mich in mein Gegenüber einfühlen. Und verstehen. 

 

Auch Schopenhauer, gern mal ein bisschen griesgrämig und als übellauniger Philosoph verschrien, wusste: Der Andere ist nicht einfach nur anders, nicht vollkommen fremd.

Etwas von uns ist in ihm, und etwas von ihm ist in uns. 

 

Wenn wir also mit jemandem mitfühlen, erwecken wir das Menschliche in ihm und uns zum Leben. Dann sind wir aufmerksam und ziehen keine voreiligen Schlüsse. Dann schimpfen wir nicht wild drauf los, verurteilen oder sind gemein, sondern wir hören und schauen zu. Wir versuchen, zu verstehen. Wir fragen. Wir erkennen. Wir sind zugewandt. 

 

Freilich kann man sich im weiten Feld der Ethik und in irgendwelchen Spitzfindigkeiten verrennen und dann wird alles furchtbar kompliziert. Wovon aber jeder einzelne Mensch auf der Erde ein Verständnis und ein fast angeborenes Gespür hat, ist: Fairness

Und die setzt, spiegelneuronen-bedingt, ein Einfühlen voraus.

Die Charta des Mitgefühls

Im Jahr 2008 startete Karen Armstrong, eine britische Religionswissenschaftlerin, die globale Bewegung "Charter for Compassion".  Und es begann bei TED, wo sie als außergewöhnlicher Mensch den jährlichen TED-Preis erhielt - und einen Wunsch frei hatte ... 

Die Charta

Im Kern aller religiösen, ethischen und spirituellen Traditionen befindet sich das Prinzip der Anteilnahme aus Nächstenliebe. Es fordert uns auf, andere so zu behandeln wie wir uns das für uns selbst wünschen. Es ist die Barmherzigkeit, die uns unermüdlich dazu auffordert, das Leiden unserer Mitmenschen zu erleichtern, und statt uns selbst, unsere Mitmenschen zum Mittelpunkt unserer Welt zu machen Sie fordert uns dazu auf, die unantastbare Würde jedes einzelnen Menschen zu ehren und, ohne Ausnahme, jeden mit absoluter Gerechtigkeit, Gleichheit und Respekt zu behandeln.

Wie kann ich die Welt verbessern - Die Goldene Regel

Zudem ist es absolut zu unterlassen, anderen im öffentlichen wie im privaten Leben Leid zuzufügen. Es verleugnet unsere gemeinsame Menschlichkeit, aus Bosheit, Chauvinismus oder Selbstinteresse gewalttätig zu handeln oder zu sprechen; andere auszunutzen oder deren Grundrechte zu verweigern, und Hass durch Erniedrigung anderer hervorzurufen. 


Wir erkennen an, dass wir nicht in der Lage waren, barmherzig zu leben und dass manche unter uns im Namen von Religion die Summe des menschlichen Elends vergrößert haben.

 

Wir rufen daher alle Männer und Frauen auf:

  • die Anteilnahme wieder in den Mittelpunkt von Moral und Religion zu stellen,
  • zum alten Prinzip zurückzukehren, dass jede Auslegung der Schriften, die Gewalt, Hass und Missachtung lehrt, nichtig ist,
  • dafür zu sorgen, dass unsere Jugend sorgfältig und respektvoll über andere Traditionen, Religionen und Kulturen informiert wird,
  • eine positive Einstellung zu kulturellen und religiösen Unterschieden zu fördern,
  • ein informiertes Mitgefühl mit dem Leiden aller Menschen zu pflegen, auch mit denen, die als Feinde gelten.

 

Wir müssen die barmherzige Nächstenliebe dringend zur klaren, leuchtenden und dynamischen Kraft in unserer polarisierten Welt machen. Verwurzelt in dem festen Willen, Selbstsucht zu überwinden, kann die Barmherzigkeit politische, dogmatische, ideologische und religiöse Mauern einreißen. Geboren aus unsere gegenseitigen Abhängigkeit voneinander ist die Barmherzigkeit wichtig für alle menschlichen Beziehungen und eine erfüllte Menschheit.

Sie ist der Pfad der Erleuchtung und unverzichtbar für eine gerechte Wirtschaft und friedvolle Weltgemeinschaft.

To Do: Ein Tag des Mitgefühls

Wie kann ich die Welt verbessern - Die Goldene Regel

Wähle einen festen Tag in der Woche, z.B. Donnerstag, und erkläre ihn zum "Goldenen Tag".

 

An diesem Tag, also einmal in der Woche, bist du besonders aufmerksam und achtest darauf, dass die goldene Regel dein Handeln leitet.

 

Wenn dir das am Samstag wieder passiert, nicht so schlimm :-)

In 2 Wochen geht es weiter mit unserer Reihe "Wie kann ich die Welt verbessern".

Dann kommt Franziska mit ihrem Puzzleteil ... 


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Kommentare: 1
  • #1

    Franziska (Donnerstag, 02 Juli 2015 21:18)

    Peg, das spricht mir so sehr aus der Seele, dass es mich zu Tränen rührt. Ich bin so froh, so unendlich dankbar, dass es Menschen gibt, die so idealistisch, so empathisch, so kraftvoll und so gleichgesinnt sind - danke.

    love love love