Was kann ich Sinnvolles tun?

von Peggy Kammer

Was kann ich Sinnvolles tun
Bernd Kasper / pixelio.de

Schöne, freie Welt.

Eine Welt der Fülle - vor allem, was die Optionen angeht, wie wir sein und was wir tun könnten. Entscheiden? Sich bekennen?

(Fast) ein Ding der Unmöglichkeit. 

 

'Was kann ich Sinnvolles tun?' ist aber eine gute Frage, um anzufangen. Wo liegt die Antwort? Wer legt sie hin? Und wer hebt sie auf?

Manchmal kommen die großen und wichtigen Fragen im Laufe eines langen und manchmal zähen Prozesses des Denkens und Reflektierens und Sinnierens über Gott und die Welt - oder in einer persönlichen Krise. 

 

Und manchmal bahnen sie sich ihren Weg beim Frühstück, während man den Nachrichten aus der Welt lauscht.  

Wo anfangen?

Heute Morgen hörte ich ein Interview mit Claudia Roth, in dem sie die furchtbare Situation der vielen Flüchtlinge auf der Insel Kos beschrieb - und die Ohnmacht der griechischen Administration.

 

Rainer hatte in seinem Rückblick auf den Monat Juli die Wucht und das Ausmaß dieser Herausforderung entfaltet. 

 

Der WWF-Newsletter erinnert  mich regelmäßig daran, wie viele Arten schon wieder ausgestorben sind.

 

Ein Aktivist gegen Fremdenfeindlichkeit hat die Segel gestrichen, weil er massiv bedroht wurde und die Sinnhaftigkeit seines Engagements in Frage stellt.

 

Gerade ereilt mich noch eine E-Mail der IHK, die eine ihrer Veranstaltungen mit folgendem Intro bewirbt: "Die Finanzierung von Zukunftsinvestitionen ist ein wichtiges Element für die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum in Deutschland." Danke für diese Information.

 

... und so weiter ...

 

Wenigstens das Konsumklima in Deutschland ist nicht gefährdet. Na Gott sei Dank.

 

 

Vor dem Hintergrund dieses ganzen Chaos - und auch mittendrin versunken - stelle ich mir wieder einmal die Frage: Was kann ich Sinnvolles tun? Wo soll man denn nur anfangen? 

 

Meine innere Stimmung schwankt zwischen Fatalismus, Verzweiflung, Zweckoptimismus und Zynismus hin und her. 

Die individuelle Perspektive

Jede und jeder von uns wird mit diesen Daten aus dem Außen anders umgehen, abhängig vom jeweiligen Fokus, der allgemeinen und besonderen Lebenssituation, der individuellen mentalen Konstitution und der eigenen Geschichte, den gegenwärtigen persönlichen Herausforderungen,  ... 

 

Mich ereilen die Daten in einer Phase, in der ich mich sehr umfassend und auch detailliert mit Fragen und Antworten rund um die Themen "Transformatives Lernen" und "Identität" beschäftige - und damit, wie das Wandelforum, und alles, was wir darin und damit tun, dazu beitragen kann, etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft und die Welt, in der wir alle leben, zu tun. 

 

Vor den existenziellen Problembergen erscheint mir diese ganze Beschäftigung als Luxus, als elitär, fast obszön und furchtbar nebensächlich. Und ich beobachte mich dabei, dass ich versuche, verschiedene Arten von Engagement in Schubladen zu packen, auf denen steht "wertvoll" und "nicht wertvoll", resp. "für die Katz". 

Was kann ich Sinnvolles tun
Dieter Schütz / pixelio.de
  • Ist konkrete humanitäre Hilfe besser als die journalistische Arbeit, die darüber informiert?
  • Ist eine Spende für Flüchtlinge besser als das Werk eines Künstlers, welches das mitteleuropäische Normalhirn erschüttert?
  • Ist ein Arzt ohne Grenzen, der 96 Menschen das Leben rettet, besser als ein Bauer, der Gemüse anbaut und 48 Menschen damit versorgt?
  • Ist ein Zugfahrer besser als ein Autofahrer?
  • ...



Die Gegenüberstellung könnte ich endlos fortsetzen. 

 

Unabhängig davon, ob ich oder du oder man der Einteilung folgt und die Schubladen füllt:

Was wäre die Konsequenz daraus? Sich selbst einordnen und dann entweder froh sein oder aufgeben? Und wer hat nochmal die Schubladen an- und die Kriterien der Bewertung festgelegt?

Einzigartigkeit und Verbundenheit

Bei allem Nachdenken und Erkunden, Entdecken und Verwerfen der Möglichkeiten, was ich als einzelner Mensch, Sinnvolles tun kann, steht am Anfang und am Ende immer die Frage: Wozu mache ich das? Wem dient es? Wem oder was fühle ich mich verpflichtet? 

 

Jedes Engagement für die Welt entsteht aus einer starken Gewissheit der Verbundenheit.

Und jedes Engagement für die Welt schöpft aus der Quelle unserer jeweiligen einzigartigen Existenz. 

 

Alle Beschäftigung mit Fragen, wie: Wer bin ich? Wer könnte ich sein? Was zeichnet mich aus? Was ist mir wichtig? Was kann ich gut? etc. muss am Ende Konsequenzen haben und eine Antwort bieten auf: Wofür setze ich mich aktiv ein? 

 

Die Antworten sind so vielfältig, wie es Menschen auf diesem Planeten gibt. Und das ist grandios und genau richtig. Jedes kleine Puzzleteilchen zählt, sonst wäre das Ganze nicht komplett. 

Was kann ich Sinnvolles tun?

Bei den vielen Möglichkeiten kann man sich durchaus verlaufen. Und vielleicht braucht es eine Weile, bis man weiß, welches der eigene Weg ist. Und manchmal bleiben trotz intensivster innerer Arbeit noch 20 Optionen übrig.

 

Dann heißt es: Ich pfeif drauf, ob das jetzt genau der richtige Weg für mich ist.

Ich entscheide mich für eine Option, laufe los und kuck, was mir unterwegs passiert. 

 

Alles ist okay, solange ich nicht steckenbleibe in der Selbsterkundung. Oder aufgebe. 

Schon mal zwei Optionen, die ausfallen. Bleiben nur noch 18. 


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