Die Welt im Monat August: Summertime, and the Living is ...

von Rainer Molzahn

Sommer
Quelle: Göttinger Tageblatt

Langsam geht der Sommer zu Ende, die wenigen kostbaren Wochen im Jahr, in denen wir es uns leisten, uns treiben zu lassen, den Augenblick zu genießen, der Welt und ihren Nöten für eine kurze Zeit den Rücken zu kehren. Auch die Politiker fahren in Urlaub, im amerikanischen Wahlkampf herrscht eine Atempause, große Entscheidungen werden vertagt – es ist, als ob die ganze Welt eine Verschnaufpause gut gebrauchen kann.

Dabei ist es natürlich durchaus nicht so, dass nichts passiert: Der Krieg in Syrien dreht sich in immer neue Eskalationsspiralen, auf den Philippinen herrscht eine Art Trump auf Steroiden, Venezuela schlittert anscheinend unrettbar ins Chaos, das globale Klima erwärmt sich unbeirrbar vor sich hin, und trotzdem, jedenfalls hier bei uns im Auenland: es ist Sommer, und das Leben ist leicht. Absolut ein Grund zum Grillen.

Back to Business

In wenigen Tagen bereits geht dann der ganze Zirkus wieder los, das atemlose von einer Krise zur nächsten hechtendende Notfallmanagement unseres kleinen Planeten. Frau Merkel ist ja bereits wieder auf Tournee durch die europäischen Hauptstädte, die G20 in China haben gerade begonnen.

Was erwartet uns im Herbst, soweit wir das jetzt voraussehen können?

USA

Der amerikanische Wahlkampf geht in die heiße Phase, Anfang November wird gewählt. Es ist überhaupt nicht auszudenken, was da im Worst Case Szenario herauskommen könnte. Lasset uns beten! 

Europa

Der Post-Brexit-EU-Rettungs-und-oder-Verdammungs-Prozess beginnt. Anfang 2017 wollen die Briten, soviel man jetzt weiß, den Austrittsantrag stellen. Die Rechtsnationalen in vielen EU-Ländern schwenken bereits jetzt ihre Fähnchen. Wir müssen uns alle der Frage stellen: wer sind wir als Europäer? Gar nicht auszudenken, was da schlimmstenfalls herauskommen kann. Lasset uns wirklich gut nachdenken!

Der Globus

Erderwärmung
Quelle: Guardian

Die globale Klima-Erwärmung schreitet schneller voran als irgendwann in den letzten tausend Jahren. Jeder Monat seit Oktober 2015 hat einen neuen Rekord aufgestellt, der Juli den letzten, der gerade vergangene August wahrscheinlich den neusten. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Temperatur auf dem in Paris vereinbarten Niveau halten können, wird mittlerweile von NASA-Experten als „sehr gering“ eingeschätzt. Wir stehen an der Schwelle des sechsten großen Massensterbens auf unserem Planeten, diesmal menschengemacht. Lasset uns handeln!

Temperatur-Anomalie
Quelle: Guardian

Die Frage am Ende des Sommers

Was wird es wohl für einen Einfluss auf unsere Bemühungen zur Begrenzung des Klimawandels haben, wenn Donald Trump der nächste US-Präsident wird? Im Wahlkampf ist der Klimawechsel auf keiner Seite überhaupt ein Thema!

Was wird es wohl für einen Einfluss auf diese Bemühungen nehmen, wenn die EU weiter zerfällt? Glaubt irgendein Brexit-Befürworter, oder sonst irgendjemand in den politischen Bewegungen in Europa, die unser aller Heil in der Fragmentierung sehen und suchen, wirklich daran, dass wir getrennt mehr für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen tun können als gemeinsam?

 

Es gibt Momente, in denen ich von dem Gedanken heimgesucht werde, dass es jenseits des Phänomens der kollektiven Dummheit noch den sehr dunklen Bereich eines kollektiven Todestriebs anzuerkennen gilt. Wie auch immer:

 

Mein Vorschlag, und mein Vorsatz:

Was ich mir und uns allen in diesen letzten Tagen des Sommers empfehle, jetzt, wo das Leben gerade noch leicht ist:

 

Sich an einen Ort begeben, an dem man in Kontakt mit der Erde ist. Büro gildet nicht.

 

Sich treiben lassen und seine Gedanken einladen dasselbe zu tun.

 

Sich nach und nach der Frage nähern: Auf welche Ereignisse und Tendenzen aus der äußeren Welt, der natürlichen wie der sozialen, muss ich, müssen wir gemeinsam unbedingt antworten?

 

Worauf möchte ich in diesem Sinne meine Aufmerksamkeit, meine Energie und meine Entschlossenheit in Herbst und Winter richten?

 

Was gilt es, politisch zu fordern und zu fördern?

 

 

Dann diesen Ort mit leuchtenden Augen wieder verlassen und im nächsten Eiscafé einen Krokantbecher bestellen. 


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