Gemeinsam klüger? - ein erster Expeditionsbericht

von Rainer Molzahn

Gemeinsam klüger? - ein erster Expeditionsbericht

 

Anfang Dezember 2016 traf sich in den Räumen des Odenwald-Instituts zum ersten Mal eine Gruppe von erfahrenen Professionals auf der ersten Station ihrer gemeinsamen Expedition ‚Gemeinsam klüger?‘. 

 

Die Mitglieder dieser Expedition sind Vertreter unterschiedlicher ‚Schulen‘ in der Arbeit mit Gruppen und Systemen, die zum Teil wenig über die konkreten Arbeitsweisen der anderen wissen, die aber alle eigentlich demselben Traum folgen:

Wie kann man es hinbringen, dass Gruppen wirklich klüger werden als Einzelne, dass die Entscheidungen, die sie treffen, von gemeinsamer Bedeutung getragen sind, dass sie nicht einfach Kompromisse zwischen verschiedenen Standpunkten sind, sondern Ergebnisse eines Prozesses gegenseitiger Beeinflussung und Berührung?

 

Und was können diese unterschiedlichen Schulen voneinander lernen, was müssen sie jeweils und gemeinsam lernen, um ihren Traum wirkungsvoll in die öffentlichen Räume unserer Kultur zu tragen, damit er sich dort entfalten kann?

 

Wie kann man also gemeinsam klüger werden, um anderen genau dabei zu helfen?

 

 

Die erste Absicht zu der Expedition war entstanden, als wir uns vor etwa zweieinhalb Jahren im Wandelforum darüber zu wundern begannen, wie es sein kann, dass zwei Ansätze, die so ähnliche Wertvorstellungen und Methoden haben wie der Dialog-Prozess und die Council-Arbeit, so wenig voneinander wissen. Friede und ich begannen dann, die Institute zu besuchen und zu explorieren, ob auch die anderen Lust hatten, das reine Nebeneinander zu suspendieren und sich gemeinsam mit uns vom Wandelforum auf die Forschungsreise ‚Gemeinsam klüger?‘ zu begeben.

 

Die Antwort war: ja! – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Zustände auf unserem Planeten es unbedingt geboten erscheinen lassen, dass wir gemeinsam viel klüger werden sollten, als wir es bisher nötig fanden zu sein …

 

Und so kam es, dass sich die um noch andere Mitglieder erweiterte Expeditionsgruppe im Dezember das erste Mal zum Kennenlernen und einem ersten Gedankenaustausch traf:

außer Vertretern des Dialogs und des Councils waren in der Zwischenzeit auch Repräsentanten der systemischen Aufstellungsarbeit, der Prozessarbeit, der Theorie U und weiterer Ansätze dazu gestoßen.

 

Im Odenwald-Institut trafen wir uns deswegen, um uns frühzeitig mit der Karl Kübel-Stiftung zu vernetzen, die sich in ihrem eigenen Entwicklungsprozess vor ähnliche Fragen gestellt sieht wie wir anderen: nicht länger nur Einzelne zu qualifizieren, sondern die kollektive Intelligenz von Systemen und Gemeinschaften erhöhen zu helfen.

 

Das Treffen selbst war verheißungsvoll, spannend und auch anspruchsvoll – schließlich begegneten sich hier nicht nur Fragende, sondern auch Wissende, die sich ihre Antworten zum Teil hart erarbeitet haben.

 

Wir stellten fest, dass wir, bevor wir wirklich unseren Fragen gemeinsam nachgehen können, zunächst unsere vorläufigen Antworten teilen müssen, unsere Geschichten bis hierher, sozusagen.

 

Aber immerhin, wir sind unterwegs: Das nächste Treffen findet Mitte Mai statt, und unsere Absicht ist es, ein Vorgehen zu entwickeln, wie wir, nachdem wir einander zugehört haben, unsere vorläufigen Erkenntnisse und unsere tiefgehenden Fragen mit einer erweiterten Öffentlichkeit auf ein bis zwei Symposien in 2018 zu teilen:

Gemeinsam klüger – das wär doch gelacht!

 

Ich jedenfalls werde mich an dieser Stelle mit dem nächsten Expeditionsbericht nach dem Mai-Treffen wieder melden …


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Kommentare: 3
  • #1

    Petra Zillmer (Sonntag, 19 März 2017 08:08)

    Das klingt definitiv spannend. Ich freue mich, auf deinen Bericht im Mai

  • #2

    Hans Lucas (Sonntag, 19 März 2017 14:21)

    Moin,
    habe ich da was falswch verstanden? Mich erstaunt, dass so kluge, professionelle Leute wie Du, Ihr zu d e m Thema n o c h ein Seminar veranstaltet. - Über die Vorteile des "gemeinsam-klüger-Seins" weiß ja sogar ich als ehemaliger, u. a. in Stäben tätiger, Soldat Bescheid. Und die Trainer, Mitglieder jeder Sportmannschaft, Angehörigen jeder "tasc-force", jedes Beratungsgremiums ... erst Recht! Der synergetische Effekt beim Zusammenwirken einer Gruppe ist m. E. GRUNDSÄTZLICH größer, als bei Einzelarbeit - wenn die Zeit dafür zur Verfügung steht. (Z. B. beim Militär ist das oftmals nicht möglich.)

  • #3

    Julian Gebhard (Mittwoch, 29 März 2017 13:09)

    @Hans Lucas:

    Ja, ich glaube du verstehst da in der tat etwas falsch. Im Erfahrungsbericht wird gar nicht gesagt, dass dort ein Seminar stattgefunden hat. Aus dem einfachen Grund, das es keins war. Es war ein kleines Symposium von Leuten, die sich mit kollektiver Intelligenz auseinandersetzen und ihre jahrzehntelangen Erfahrungen geteilt haben.