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Aufruf zu holistischem Denken

von Franziska Hengl

Aufruf zu holistischem Denken

 

Was haben ein Elefant, das Corona-Virus und Stress gemeinsam?

 

Das ist nicht der Beginn eines Witzes, sondern der Versuch, unseren Separierungs-Drang zu hinterfragen und unser aller Intuition zu stärken. Ein Versuch, das Ganze zu erfahren.

 

Und am Ende des Beitrags warten drei Übungen auf dich.


Der Elefant

Man hatte einen Elefanten zur Ausstellung bei Nacht in einen dunklen Raum gebracht. Die Menschen strömten in Scharen herbei. Da es dunkel war, konnten die Besucher den Elefanten nicht sehen und so versuchten sie, seine Gestalt durch Betasten zu erfassen. Da der Elefant groß war, konnte jeder Besucher nur einen Teil des Tieres greifen und es nach seinem Tastbefund beschreiben.

 

Einer der Besucher, der ein Bein des Elefanten erwischt hatte, erklärte, dass der Elefant wie eine starke Säule sei;

ein Zweiter, der die Stoßzähne berührte, beschrieb den Elefanten als spitzen Gegenstand;

ein Dritter, der das Ohr des Tieres ergriff, meinte, er sei einem Fächer nicht unähnlich;

der Vierte, der über den Rücken des Elefanten strich, behauptete, dass der Elefant so gerade und flach sei wie eine Liege.

mehr zur Geschichte

Das Ganze und die Teile

Wir Menschen be-nutzen die Natur und erachten ihre Gaben als selbstverständlich. Viele der Probleme, die wir uns selbst machen und die zu unserer eigenen Auslöschung führen könnten, sind der Tatsache geschuldet, dass es uns aberzogen wurde "holistisch" zu denken!

Holistisch heißt, die "Dinge" in großen Zusammenhängen betrachten zu können.

 

Für unsere Vorfahren, die ja unmittelbar in, von und durch die Natur lebten, war es selbstverständlich, dass alles miteinander zusammenhängt, dass ein Eingriff an irgendeiner Stelle immer Auswirkungen auf das Gesamtsystem hat. 

 

Die Wissenschaft hat begonnen, die Natur mit ihren Methoden zu untersuchen. Der Taylorismus nimmt alles auseinander und schaut auf das kleine eigene Stück. Seit Beginn der Aufklärung hat sich das "reduktionistische" Denken durchgesetzt. In der Natur hängt allerdings alles zusammen, reagiert aufeinander, miteinander und durcheinander. Und so ist es unmöglich mit dieser unserer Wissenschaft irgendetwas vollkommen zu erforschen!

 

Nehmen wir das Beispiel von Heilpflanzen und den Versuch, diese ernsthaft, mit den gegenwärtig zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden, zu untersuchen. Nehmen wir an, und das ist eine typisch wissenschaftliche Vereinfachung (Reduktion), eine Pflanze hätte 1000 Inhaltsstoffe. Diese wird in einem Körper aufgenommen, der ebenfalls 1000 "Inhaltsstoffe" hätte. Nun wäre es theoretisch möglich, dass jeder der 1000 Inhaltsstoffe der Pflanze mit jedem der 1000 Stoffe des hypothetischen Körpers interagiert, also wechselwirkt. Es ist aber auch möglich (und so geschieht es natürlich), dass jede dieser Wechselwirkungen einen neuen Stoff generiert, der wiederum mit allen anderen zu wechselwirken in der Lage ist usw. (Kombinationen bzw. Permutationen). 

Denkpause ...

Es gibt schier unendlich viele Möglichkeiten wie diese eine Heilpflanze wirken könnte … Deshalb ist die Wissenschaft immer auf der Suche nach dem einen Wirkstoff. Dieser eine Wirkstoff, aus dem großen, von der Natur erschaffenen Verbund herausgerissen, hat aber, weil es viele weitere chemische Verbindungen jetzt nicht mehr gibt, andere (Neben)Wirkungen als der ursprüngliche Stoff und kann nicht ausgleichen oder sich natürlich einfügen. Deshalb wird die Pflanzenheilkunde sehr wahrscheinlich für immer eine Erfahrungswissenschaft bleiben – und somit Anlass zum Streit geben ... Was aber, wenn uns genau das helfen könnte?!

 

Ich habe jetzt hier das Beispiel der Pflanzen genommen, möchte aber noch weiter schauen. Wir sehen unsere Körper, Geist und Psyche/ Seele als getrennt voneinander, ja sogar die einzelnen Körperbereiche werden getrennt voneinander betrachtet: es gibt Orthopädie, Psychologie, Innere Medizin, Chirurgie, Virologie… Und wir betrachten das auch in nur wenigen Fällen im Zusammenhang mit der Umwelt oder dem Umfeld, welches uns aber nachweislich stark beeinflusst.

>>> Michael Marmot: Closing the gap

>>> Richard Wilkinson und Kate Pickett: The Spirit Level 

 

Und es gibt massig neue Krankheitsbilder, die immer mehr werden: Depressionen, Rückenleiden, Herzkreislauferkrankungen, Sucht…

Und was tun wir dagegen? Wir sollen ordentlich essen und Sport machen und unser individuelles Verhalten ändern. So wie Pawlow seine Hunde trainierte, funktioniert es vielleicht auch bei uns?

 

Belohnung bei gutem BMI und niedrigen Krankenkassenkosten, Bestrafung durch hohe Kosten bei Inanspruchnahme von Leistungen. Oder böse Bildchen auf der Zigarettenschachtel, die einen Raucher sich noch schlechter fühlen lassen, weil er es nicht lassen kann. Oder es ist einfach eine körperliche Ursache und wird mit einem Medikament kuriert. Die Nutzung von Medikamenten wird dabei immer höher und nicht jede*r braucht das gleiche.

 

Es gibt aber viele Studien und alte Heiltraditionen wissen das schon immer, dass viele Krankheiten mit Stress in Verbindung stehen.

Stress ist nichts Schlimmes, er bewegt uns und wir brauchen ein gewisses Level an Stress, um etwas zu bewegen und zu bewirken. Aber als alleinerziehende Mutter oder mit einem geringen Einkommen habe ich ständig Stress, auch in entsprechenden Jobs oder eben gerade ohne Job.

 

Agrarindustrie: wir schütten Glyphosat (ein Industrierohrreiniger) auf unsere Felder. Der Stoff ist in der Lage chemische Verbindungen mit Metallen und Mineralien einzugehen, um diese aus den Abflussrohren von Industrieanlagen zu beseitigen. Auf dem Feld macht es genau dasselbe: es bindet (Schwer)Metalle und Mineralien an sich, und spült diese ins Grundwasser, das durch die Schwermetalle sehr giftig wird…

Es bindet aber auch Mineralien an sich, die von den Pflanzen dringend benötigt werden um wachsen zu können und entfernt diese aus dem Boden! Außerdem trinken es unsere Bienen und sterben daran. Was wird diskutiert? Ob es krebserregend ist…

 

Deshalb ist es wichtig, die Wissenschaft und deren Ergebnisse nicht als allgemeingültige Wahrheit stehen zu lassen; Pressetitel, die aus dem Kontext heraus gezogene Zitate sind, nicht als alleinstehende Wahrheiten sehen.

Intuition als Schlüssel

Wir haben verlernt, in komplexen Zusammenhängen zu denken. Dies ist aber die Voraussetzung um komplexe Themen wie Klimakrise, Coronakrise, das eigene Rückenleiden oder die globalisierte Welt zu verstehen und in ihr (zum Wohle aller und lebensförderlich) zu wirken.

Dafür helfen uns eingebuddelte Fähigkeiten, die kaum großes Ansehen genießen: unsere Intuition und der intelligente Weitblick.

 

Intuition (von mittellateinisch intuitio = unmittelbare Anschauung, zu lateinisch intueri = genau hinsehen, anschauen) ist die Fähigkeit, Einsichten in Sachverhalte, Sichtweisen, Gesetzmäßigkeiten oder die subjektive Stimmigkeit von Entscheidungen zu erlangen, ohne den diskursiven Gebrauch des Verstandes, also etwa ohne bewusste Schlussfolgerungen. Intuition ist ein Teil kreativer Entwicklungen. Der die Entwicklung begleitende Intellekt führt nur noch aus oder prüft bewusst die Ergebnisse, die aus dem Unbewussten kommen. 

 

Wenn wir alle beginnen unserer Intuition zu vertrauen, unserem Bauchgefühl und über unsere Handlungen nachdenken und alles, was wir tun in den Dienst für das große Ganze zu stellen, statt für unseren kleinen Teil (Ego, Firma, Projekt..); wenn wir beginnen zum Wohle aller Wesen zu handeln, handeln wir ganzheitlich und zum Wohle aller.

 

Natürlich sind wir darin nicht perfekt und natürlich gilt es das Bauchgefühl zu trainieren. Ich will auch nicht zurück zu Aberglaube und blinden Ritualen folgen. Die Kirche hat uns hier viel gelehrt. Wir können daraus lernen, was die Menschheit schon erlebt hat. Wir können etwas Neues schaffen aus dem Gelernten. Wir können aus viel Weisheit schöpfen von unserer alten Kultur oder von anderen Naturvölkern. Das können wir nicht einfach übernehmen, aber wir können etwas Eigenes daraus schaffen, was in unsere Welt passt. 

Die Krise ist eine große Chance. Nutzen wir sie!

Was wäre etwas Neues?

Eine Mischung aus Vielem zum Beispiel und die Wiederentdeckung des gesunden Menschenverstandes.

 

Kleine Ideen für den Alltag:

Gruppen vermeiden, Abstand halten, Hände gründlich mit Seife waschen, nicht die Augen reiben oder in der Nase bohren. 

das Immunsystem natürlich stärken, durch Essen, Bewegung, Sonne, Vitamine, Kräuter und positive Vibes.

 

Soziale Kontakte sind dabei und vor allem jetzt sehr wichtig. Habt Empathie füreinander, denn diese Krise, die Maßnahmen und Unsicherheiten machen manchen Menschen mehr zu schaffen als anderen.

>>> Die „traumatischen“ Folgen der Krise 

 

Genießen wir Entschleunigung und nutzen sie für die wirklich wichtigen Dinge. Verhindern wir Auswüchse der Prävention wie verpflichtende Impfungen oder unangemessene Herausgabe persönlicher Daten.

 

Überdenke deine Positionen und Meinungen: ist sie extrem? Lässt du andere auch zu? Geht es ums Recht, ums Missionieren? Achten wir auf unsere Kommunikation: ist sie liebevoll und verbindend? Was postest und verbreitest du?

Drei Übungen

 

Übung 1

Nimm ein Thema, welches dich schon eine Weile beschäftigt und du viel drauf rumdenkst.

Stell es dir vor. Hast du ein Bild dazu? Ein Gefühl? Eine Körperwahrnehmung? Hat es eine Farbe?

Stell dir vor du setzt das Thema vor dich auf einen Stuhl und dann tritt einen Schritt zurück und noch einen. Was passiert?

Siehst/Fühlst/Spürst du die Ränder? Was ist drumherum so los? Kannst du dahinter blicken? Womit steht es in Beziehung?

Geh noch weiter weg davon. Weiter. Weiter. Was passiert? Was kannst du jetzt noch wahrnehmen? Sammle sämtliche Informationen (Gedanken, Gefühle, Wahrnehmungen, Bilder usw.). Komm langsam zurück, bedanke dich beim Thema und allen Informationsquellen. Nutze die Informationen weise.

 

Übung 2

Check in mit mir selbst

Mehrmals täglich alle Tätigkeiten unterbrechen und fragen: Was nehme ich gerade wahr (in mir, neben mir, vor mir, mein Gegenüber…)? Dient das was ich gerade tue dem Wohle aller Beteiligten? Nimmt jemand oder etwas Schaden? Wie kann ich es anders machen?

Weitermachen.

 

Übung 3

Gruppenintelligenz

Unterbrecht das Meeting für 2 Minuten (Timer stellen), geht in euch, in Stille und fragt euch: Dient das, was wir gerade planen/tun, dem Wohle aller Beteiligten? Nimmt jemand oder etwas Schaden? Wie können wir es anders/noch besser machen? Was nehmt ihr wahr?

Sammelt alle Informationen ganz frei und schaut dann gemeinsam auf das Bild.


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Kommentare: 2
  • #1

    Angelika Kleinknecht (Dienstag, 09 Juni 2020 19:13)

    Danke für diese Dimension: Think Big!

  • #2

    Lydia Maria Eichiner (Montag, 06 Juli 2020 17:50)

    Sehr schoen geschrieben! Passt genau zu meiner ‘Arbeit’.
    Ich arbeite seit laengerer Zeit an 'Frieden', Peace, PACE und was da so alles dazugehoert. Meist finde ich wenig Interessierte an diesem Argument. Auch wenn ich heute soweit bin, das Hebelgesetz von Archimede zu benuetzen “Gebt mir einen Anhaltspunkt fuer meinen Hebel und ich versetzte die Welt” gefunden habe. Wer suchet der findet!
    "Gib mir einen Punkt, wo ich sicher stehen kann, [einen Hebel, der lang genug ist,] und ich bewege die Erde mit einer Hand" mit den verschiedenste Uebersetzungen.
    Und ich bin nicht allein, siehte beigegebenes Foto.
    Heute spreche ich nicht mehr nur von Frieden etc. sondern von dem Hebel mit welchen wir unseren Autopilot einschalten koennen. Nuetzlich fuer alle moeglichen Verstaendnis (Comprehention) oder Unverstaendnis Situazionen. Falls Ihr oder einige von Euch meine kleine Intro kennenlernen moechte ich bin auf Skype oder Zoom bereit zu erklaeren was ich da so gelernt habe. Man kann mich auf Facebook und Messenger finden.
    Wie im Artikel, nichts super neues aber eine Neu ueberarbeitete Landkarte, nicht von mir, ich hab sie nur fuer mein Thema passend gefunden und sie Universell fuer wichtig gehalten.
    Liebe Gruesse
    Lydia Maria Eichiner
    P.S.: Ich bin gebuertige Deutsche, lebe in Italien seit langer Zeit und fuehle mich Internazional, nicht ohne Holperer, aber immer noch mit Lust an mir zu Arbeiten.

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