Besinnung und Besinnungslosigkeit

von Peggy Kammer

Besinnung und Besinnungslosigkeit

In Kürze fackeln wir die 3. Kerze ab - oder besser:

wir entzünden das 3. Licht im Advent und warten auf die Ankunft.

 

Wahrscheinlich nicht auf die Ankunft der vielen Verwandten, wir haben ja Corona. Obwohl, Gesundheit hin und her, ohne Weihnachtsfest im Kreis der Lieben würden wir nicht so viel kaufen. Deshalb sind auch alle Geschäfte offen - im Gegensatz zu den Kultureinrichtungen und Gastronomiebetrieben.

 

 

Naja, man muss halt Prioritäten setzen.


Also, beim Geld hört ja bekanntlich die Freundschaft auf. Die Novemberhilfen für Künstler*innen, Soloselbstständige und kleine Unternehmen verzögern sich. Aber es gibt ja die Grundsicherung. Okay, für TUI und die Automobilbranche wurden mal eben so mehrere Milliarden über den Tisch geschoben. Prioritäten halt.

 

Wir zerstören unsere Lebensgrundlage und sollten unseren Krieg gegen die Natur beenden. Aber hey, wer hört schon auf den UNO-Chef?

 

Ach so: Kaufen. Wir müssen konsumieren. Das ist patriotisch. Und wenn man keine Lust hat auf die Geschäfte in der Innenstadt, bestellt man halt. Interessiert ja nicht wirklich, dass das große A kaum Steuern zahlt.

 

Der DHL-Bote braucht was zu tun, gerade in der besinnlichen Vorweihnachtszeit. Die Weihnachtsmärkte sind doch eh überwiegend gestrichen - und wenn, dann meist ohne Glühweinstände. Was soll das denn? Okay, der DHL-Mensch ist total unterbezahlt und im Dauerstress. Aber man kann sich ja nicht um alle kümmern.

Prioritäten.

 

 

* * * * *

 

Ach, entschuldige bitte, ich hab mich davontragen lassen. Wo waren wir?

3. Advent. Kerze. Besinnung. Warten auf ...? Den Boten? Den Impstoff? Godot?

 

 

* * * * *

 

Trotzdem.

Ich muss nochmal auf dieses eigenartige Paradigma kommen:

Schulen und Kitas sollen offen bleiben, damit die Eltern arbeiten gehen können. Der Einzelhandel muss offen bleiben, damit wir alle alles und vor allem ganz viel kaufen können. Das ist doch mal ne klare Linie.

 

Ehrlich gesagt war ich beeindruckt von der unverschämten Offenheit, die Bezüge so klar und transparent zu verkünden.

 

 

Also: Zeit für Besinnung. Streichholz raus und zündeln. 

Die 3. Kerze reicht ja erstmal. Vielleicht erleuchtet sie unsere Seelen und irgendwann auch das Großhirn.

 

Da heißt es: Warten. 

  

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