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Das Würde des Menschen ist unantastbar

von Peggy Kammer

Das Würde des Menschen ist unantastbar

Na, welche hehren Vorhaben und Ziele fürs neue Jahr hast du schon wieder auf Eis gelegt oder schlichtweg vergessen? Dabei warst du doch so motiviert und scheinbar gut vorbereitet. 

 

Egal, ob es um kleinere, persönliche Ziele geht, eine neue Ausrichtung in deinem Leben oder darum, deinen Beitrag für eine bessere Welt anzugehen: Wir sind Menschen und fehlbar. Leider.

 

Wie es kommt, dass wir dem "würde, hätte, sollte" so oft erliegen – und was beim Umsetzen hilft …


Neues Jahr, neues Glück. Denkt man so. Und vielleicht hast auch du den Jahresübergang genutzt für eine intensive Einkehr und innere Ausrichtung auf das neue Jahr, auf deine Wünsche, Träume und Ziele – ganz global oder konkret für 2020.

(siehe Anleitung in der Wandelpost vom Dezember). 

 

Nun ist Mitte Februar und du bist noch nicht aus dem Quark gekommen.

Andere Sachen sind eiliger und anscheinend wichtiger. Aber es ist ja noch Zeit. So ziehen die Tage ins Land ...

Die Wochen und die Monate vergehen … 

 

Im Sommer hast du nur noch eine leise Ahnung von „da war doch noch was“ und im Dezember beginnt das Spiel von vorn.

Hallo Murmeltier!

 

Dabei gibt es die Kraft, das Gute in uns zum Vorschein zu bringen. Seinem Herzen folgen, den Bauch befragen, den Verstand nutzen.

Trotzdem bleibt es oft beim „ich würde ja“, „ich werde bald“ und „nun aber echt, gleich morgen geht’s los“. 

 

Woran hängt es?

Was lässt uns am Ball bleiben?

Und was unterstützt uns beim Tun?

Was uns zurückhält - 5 Stopper

1: Un-Klarheit

Was will ich überhaupt?

 

Die Frage taucht auf in Phasen größerer Umbrüche im Leben - wenn Entscheidungen für oder gegen eine Option schier unmöglich sind und man herumeiert und aufschiebt ... weil man "nicht so richtig weiß" oder "es irgendwie nicht passt", weil man ein "komisches Bauchgefühl hat" oder "noch nicht so weit ist".

 

Diese Phasen sind nicht attraktiv, während man drin ist. Hinterher ist das anders, weil es eine weichenstellende Zeit war. 

Die Frage, um die sich alles dreht, ist: Wie will ich leben? Und die Antwort darauf schüttelt man eher nicht aus dem Ärmel.  

2: Un-Mut

Ich weiß nicht, ob ich mich trauen kann/soll/darf.

 

Im Grunde weißt du, was du willst, aber du hast Angst, dem zu folgen. Der pure Gedanke ans Tun lässt dich schon in eine Schnappatmung verfallen. Dein Vorhaben ist groß, wenn nicht gar riesig. Du fühlst dich im Vergleich dazu klein, vielleicht sogar mickrig.

 

Wenn du deinem Traum folgst, brauchst du einen neuen Mut, den Wage-Mut - getragen von Zuversicht, Vertrauen und einer inneren Klarheit für deinen (neuen) Weg. Die Frage "Was könnte im schlimmsten Fall passieren?" hilft dabei, deiner Angst auf die Spur zu kommen.

3: Un-Wissen

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll und wie das geht.

 

Hier ist eine neue Kompetenz von dir gefragt, die du vielleicht noch nicht beherrschst. Oder du brauchst Orientierung und Templates, so dass du loslegen kannst. Eine Frage, die du dir stellen kannst, ist: Was will und muss ich selbst erlernen und wofür suche ich mir Menschen, die das schon können und mir helfen?

4: Un-Diszipliniertheit

Ich tue es einfach nicht.

 

Wenn du immer wieder "auf morgen" verschiebst oder dich sagen hörst "ich habe keine Ahnung, wann ich das machen soll", dann sind entweder deine ersten Schritte zu groß (und du gibst schon auf, bevor du anfängst) oder du nimmst dir schlicht und ergreifend keine Zeit für dein Vorhaben.

 

Womöglich vollführst du jeden Tag ein Prioritäten-Ballett und dummerweise fällt dein Vorhaben dabei immer wieder unter den Tisch.

Weil etwas oder jemand anderes wichtiger ist. Weil du dich selbst unter Druck setzt mit zu großen Schritten. Weil der Schweinehund immer wieder zu Besuch kommt und ihr zusammen eine entspannte Zeit habt.

 

Wenn du das nächste Mal prokrastinierst, stell dir die Frage "Was hält mich jetzt gerade zurück, das zu tun, was ich mir vorgenommen habe?"

5: Un-Wille

Etwas in mir will das (gerade/noch) nicht.

 

Wenn du Widerstände in dir spürst, die dich davon abhalten, dein Vorhaben zum Leben zu erwecken und deine Ziele zu erreichen, will "etwas" deinem Plan nicht folgen. In dir ist ein diffuses Gefühl von Unentschlossenheit, eine Abwehr gegen das Neue - eine innere Instanz, die 1000 gute Gründe und 63 schlechte Vorwände hat, warum du das nicht tun sollst. 

 

Wenn du solch einen Unwillen in dir merkst, folge der Spur und erkunde diese Figur. Welche Einwände hat sie? 

Womöglich musst du zurück auf „Los“, also zur Frage: Was will ich wirklich?

 

Und: Welchen Preis bist du bereit, dafür zu zahlen?

Was uns drängt - 1 Kraft

Zum Glück gibt es neben, unter oder über den ganzen Stolpersteinen eine Kraft, die uns nicht in Ruhe lässt.

Eine Kraft, die uns ein schlechtes Gewissen beschert, wenn wir auf "Abwegen" sind.

 

Eine Kraft, die uns immer mal wieder innerlich erschüttert und erinnert. 

Die Sehnsucht nach dem guten, wahren und schönen Leben. 

 

Sie ist immer da. Oft sind wir einfach Messis und müllen sie zu mit allem möglichen Kram.

Zum Ausmisten und Putzen können wir niemand anderen engagieren. Das ist unser ganz individueller Job. 

 

Achtung Spoiler: Das ist der "Weg mit Herz". Mehr dazu bald hier ...

Was uns hilft - 12 Tipps

1. Geh in Klausur.

Je größer und wandelhafter dein Vorhaben, desto mehr Zeit solltest du zum Sinnieren und Erkunden investieren.

In der Klausur gibst du dir Zeit zum Entdecken und Träumen, zum Verwerfen und Kreieren. Und du nimmst dir Zeit, um deinen Traum an Kontur gewinnen zu lassen. 

 

Du kennst den Spruch: "Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.". Genau. Deshalb darfst du dir Zeit zum Erschaffen und Gestalten nehmen. Rom wurde aber auch erbaut ... Komm also aus der Klausur zurück :-) - wir brauchen dich doch!

2. Triff eine Entscheidung.

Ja, klingt blöd und banal. Hilft aber enorm. Ein lange währender Zustand der Un-Entschiedenheit frisst ne Menge deiner Energie.

 

Eine Entscheidung kann ein klares "Ja" oder auch ein klares "Nein" sein. Oder auch ein klares "Dieses Jahr nicht.".

Eine Entscheidung kann auch sein: "Ich teste das für 3 Monate". Oder: "Ich gehe jetzt genau einen Schritt und prüfe, ob das das Richtige ist. Dann sehe ich weiter".

 

Beim Entscheiden kann auch ein Würfel helfen. Der Vorteil ist, dass du dir 6 Optionen überlegen musst und nicht im "entweder-oder" stagnierst. Das bringt dich automatisch in einen Zustand von Möglichkeiten und Bewegung.

3. Fokussiere dich.

Auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen, ist nur begrenzt machbar. Abnehmen, ein neues Projekt starten und eine Beziehung beenden ... nee, nee. Unsere Zeit ist begrenzt, unsere Energie auch. Jedes Ding braucht seine Zeit und seine Aufmerksamkeit, sonst verzetteln wir uns. 

 

Konzentriere dich also auf ein Projekt. Unser Gehirn braucht 21 Tage, um ein neues Verhalten zu lernen. Je wichtiger und lebens-entscheidender dein Vorhaben ist, umso mehr Energie und Fokus wirst du brauchen. 

 

Und wenn du dich im Strudel von Umbrüchen verlierst, gib erstmal auf und setz dich in das Auge des Sturms. Dort ist es ruhig.

Entscheide dich von diesem Platz aus für deinen nächsten Schritt. 

4. Fang mit einem kleinen Ding an.

Du kennst das Zitat, oder? Jede große Reise beginnt mit einem kleinen Schritt. 

Such dir ein überschaubares To-Do aus. Das muss nicht genau der erste Schritt sein, nur etwas, was dich deinem Vorhaben näher bringt.

Dieser Schritt kann nur eine Stunde deiner Zeit in Anspruch nehmen, also ganz ganz klein sein. Hauptsache, du beginnst.

 

Als Autorin habe ich z.B. eine große Hürde vor dem leeren weißen Blatt, vor dem Anfang. Deshalb starte ich im Grunde nie am Anfang, sondern mittendrin oder am Ende. Sobald ich die ersten Notizen gemacht und die ersten Sätze geschrieben habe, ist diese Hürde des Anfangens genommen und ich bin drin. Einfach und wirksam.

 

Auch ein gutes Tool: Begrenze die Zeit für einen Schritt. Gib dir zum Beispiel nur 10 Minuten Zeit, um an einem Konzept zu arbeiten. Und morgen machst du das wieder. So bist du nicht unter Stress, an einem Tag den großen Wurf hinzulegen und kommst schrittweise deinem Ziel näher. 

5. Integriere Rituale.

In Aus-Zeiten kann man sich gut aus-richten. Sobald aber der "normale" Alltag wieder regiert, schieben wir dann gern die "neuen Vorhaben" auf morgen, nächste Woche oder ... . 

 

Was hilft, sind - auch kleine - Rituale, wie Meditation, Tagebuch schreiben, Laufen, Besinnung bei Kerzenschein, regelmäßige Dates mit deiner/deinem Mutmacher*in (siehe unten), jeden Tag für 10 Minuten ganz bewusst ein neues Verhalten trainieren und und und ... Deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt (sowieso nie!). Hauptsache, dein Traum findet Eingang in deinen "Alltag". 

6. Such dir Modelle.

Wen kennst du (persönlich oder auch nur medial), die oder der schon so ist oder das macht, was du dir für dich erträumst? Vielleicht tut sie etwas, was du dich noch nicht traust. Vielleicht verkörpert sie eine Qualität, die du in dir zur Entfaltung bringen möchtest. Vielleicht weiß die Person etwas, was du lernen möchtest. Sprich mit der Person und studiere sie. Lass dich inspirieren. Probiere ein typisches Verhalten der Person aus. ... Vergiss aber nicht, dass du nicht diese andere Person bist. 

7. Sammle Wissen und Erfahrungen.

Bücher, Videos, Konferenzen, Artikel, Podcasts, Workshops, Netzwerktreffen und und und. Unser Zugang zu Wissen ist schier unermesslich - und manchmal überfordert uns das. Für dein neues Vorhaben ist das aber Gold wert. Erweitere deinen Horizont, ergänze dein Wissen, lerne was Neues. Und: probier dich aus. Starte nicht gleich mit der "großen Nummer", sondern experimentiere im Kleinen mit deinen Erkenntnissen und (vielleicht neuen) Kompetenzen. 

8. Such dir aufrichtige Mutmacher*innen.

Bei neuen Sachen verzagt man doch immer wieder gern, zweifelt, fühlt sich noch nicht gut genug, ist unsicher. Such dir schon vor dem Starten mindestens eine Person aus, die du schätzt. Sie bekommt den Auftrag, dir Mut zu machen, wenn du verzagst und dir in den Hintern zu treten, wenn du nicht dranbleibst. Außerdem gibst du ihr die Erlaubnis, dir ungeschöntes Feedback zu geben, zu dem, was du tust und wie du wirkst. 

PS: Das sind meist nicht die Menschen, die uns am nächsten sind. 

9. Hol andere Menschen in dein Boot.

Als Mitstreiterinnen oder als Supporter. Als Dienstleister oder Kooperationspartnerinnen. Such dir Verbündete.

Überlege, an welchen Stellen du Unterstützung brauchst und wie die genau aussehen kann. Auch wenn du ein Projekt alleine auf- und durchziehen willst: Sobald du mit deinem Vorhaben in die Welt trittst, brauchst du andere Menschen. 

10. Nimm dir Zeit zum Träumen.

Einmal Klausur und alles ist gut? Eher nicht. Deine Träume brauchen Frei-Räume des Nichtstuns. Sie brauchen Platz in deinem Kalender - in Form von regelmäßigen Auszeiten im Laufe eines Jahres und jede Woche. Und auch jeden Tag. Die Auszeiten unterstützen dich dabei, deinen Traum nicht aus den Augen zu verlieren. Und sie helfen dabei, dich immer wieder zu kalibrieren und deinen Weg anzupassen.

11. Nimm dir Zeit zum Planen.

Was brauchst du, um dein Vorhaben umzusetzen? Was musst - oder besser: was darfst - du alles dafür tun? 

 

Menschen, die mich gut kennen, wissen, dass ich ein Nerd bin, was ausgefeilte Planungen anbelangt *lach*. Ja, ich übertreibe es manchmal. 

Aber: Träume bleiben Schäume, wenn sie nicht in die Welt kommen können - weil wir planlos umherhüpfen und ständig allen möglichen Signalen aus dem Außen folgen. 

 

Die andere Seite der Planungs-Medaille ist allerdings diese: Du konzipierst und planst, was das Zeug hält, kommst aber nicht damit raus. 

Wenn du schon seit Monaten - oder gar Jahren (!) - "dran bist", verhinderst du dich und dein Wirken. Vielleicht steckt ein hinderlicher Perfektionismus dahinter, eine diffuse Angst vor Versagen, Lächerlichkeit und Nichtigkeit. Ein guter Anlass, den eigenen Schatten genauer zu erforschen.

 

Also: nimm dir Zeit zum Planen. Und leg dann aber auch los.

12. Nimm dir Zeit zum Tun.

"Ich habe keine Zeit." ist ein gern genutzter Satz. Das ist Käse. Ehrlicher wäre die Aussage: "Ich habe keine Prioritäten." Unser aller Zeit ist gleich und gleich begrenzt: 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, 12 Monate im Jahr. Durchschnittlich 78 bis 83 Jahre. 

 

Und so steckt im ganz Kleinen wieder das ganz Große. Die Frage "wie will ich leben?". 

Wenn das, was dir wirklich und von Herzen wichtig und wertvoll ist, keinen Platz in deinem Leben hat, verschwendest du deine Zeit auf der Erde. Ja, so schlicht und dramatisch ist es. Punkt.

 

Also: Wie integrierst du die einzelnen Schritte für dein Vorhaben in deinen Alltag?

Und jetzt kommst du:

An welchem Vorhaben bist du gerade dran? Worüber stolperst du? Was hilft dir?

Ich freu mich über deine Kommentare, Ideen und Fragen!


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