Wozu sind denn dann Kriege da - und wie kann man sie verhindern?

von Thomas Böhme

Wozu sind denn Kriege da?

 

Nach dem Artikel der geschätzten Anne Grökel war mein Impuls sofort da, ebenso zur Feder zu greifen bzw. in die Tastatur zu hauen. 

 

Ich war 19 Jahre, als die Mauer fiel und sich dann in diesem Zuge die Teilung der Welt in Ost und West auflöste. Ich war der festen Überzeugung, von nun an breche das goldene Zeitalter der Menschheit in Frieden und Wohlstand an. 


Meine erste Erschütterung erlebte ich in der Zeit des Jugoslawienkriegs.

 

Ich war ohnmächtig und wütend angesichts der Bilder, wo trotz Einsatz von UN-Soldaten Gräueltaten nicht verhindert wurden und vor den Augen der Menschheit ein Genozid an der Bevölkerung begonnen wurde. Ich wünschte mir in meinen Tagträumen, dass ein Superheld kommen und die führenden Köpfe dieser nationalistischen und durchgeknallten Männer liquidieren möge. Leider passiert das immer nur im Kino. 

 

Die zweite große Erschütterung und Ohnmacht erlebte ich während des Ruandakrieges.

 

Wie die Jugoslawienkriege oberflächlich betrachtet ein Bürgerkrieg innerhalb eines Landes. Der Völkermord an hunderttausenden von Menschen hat ein ganzes Land traumatisiert, wiederum hervorgerufen von offenbar psychopathischen Machthabern, die der Meinung waren, andere nur aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe auslöschen zu müssen. Leider ist der „weiße Mann“ hier nicht unschuldig – einerseits durch völlig willkürliche Grenzen, die in der Kolonialzeit gezogen wurden, andererseits kam später heraus, dass Frankreich offenbar am Völkermord selbst eine Rolle spielte. 

 

Offenbar schon ziemlich abgestumpft oder auch dank der hervorragenden Propaganda der US-Regierung erlebte ich dann den Irakkrieg.

 

Da ich zu dieser Zeit Single war, zog ich mir alles dazu rein – Sondersendungen, später auch die Bücher von Scholl-Latour oder Bob Woodwards „Bush at War“ und die Satiresendungen von Volker Pispers (gerne mal die Episode Saddam Hussein, das Arschloch im Wandschrank, anschauen). Wie sich später herausstellte, basierte der Krieg wie vermutlich alle vor ihm auf einer Lüge und führte zum Tod von zehntausenden Soldaten und in Folge der Auseinandersetzungen innerhalb der Besatzungszeit von vermutlich über einer Million Zivilisten.

 

Ich war sehr dankbar, dass der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht in die unheilige Allianz der Willigen einstieg. 

 

Angesichts der heftigsten (und sinnvollen) Sanktionen gegen Russland bin ich verwundert, dass bis heute kein amerikanischer Soldat oder Politiker vor dem Internationalen Strafgerichtshof gelandet ist (erinnert sei hier nur an Abu Ghraib und von der US-Regierung erlaubte Foltermethoden4 sowie den Einsatz von Uranmunition). Sanktionen gab es gar keine, nur ein paar vereinzelte Demonstrationen gegen den Krieg. 

 

Im Laufe der Jahre ging es „munter“ weiter – Libyen, Syrien, Jemen. Ganz ehrlich – gingen diese Kriege den meisten im Westen doch am Allerwertesten vorbei, führten aber zu unermesslichem Leid. 

 

Mit dem Ukrainekrieg ist das anders. Ich bin mir noch nicht sicher, ob es an der Macht der sozialen Medien liegt oder doch eher daran, dass es erstmals wieder einen Krieg in Europa und nicht im weit entfernten Orient oder Afrika gibt. 

 

Nun auch diesmal haben wir es wieder mit ganz viel Propaganda zu tun und mit einem despotischen Alleinherrscher, dem - metaphorisch gesprochen - früher mal ein großer Teil des Pausenhofs der Schule gehörte, von dem sich aber einige Gruppen gelöst haben, der aber, weil groß, stark und bewaffnet, gefährlich ist und seit Jahren immer mehr in die Ecke der Schmuddelkinder gedrängt wurde und nun scheinbar blind um sich schlägt. 

 

Wie immer der Krieg ausgehen mag, ich befürchte, der Konflikt wird mit dem Ende der Kriegshandlungen nicht enden, sondern sich eher verstärken. 

 

Und hier kommt Udo Lindenberg ins Spiel – wozu sind denn Kriege da? 

 

Habt ihr alle Milliarden Menschen überall auf der Welt gefragt 

Ob sie das so wollen 

Oder geht's da auch um Geld? 

Viel Geld für die wenigen Bonzen 

Die Panzer und Raketen bau'n 

Und dann Gold und Brillanten kaufen für die eleganten Frau'n 

Oder geht's da nebenbei auch um so religiösen Twist 

Dass man sich nicht einig wird 

Welcher Gott nun der wahre ist? 

 

 

Das sind oftmals “gute” Gründe, warum Kriege angezettelt werden, aber leider nicht alle. Zumeist geht es aus meiner Sicht nur um Macht. Die von mir sehr geschätzte Profilerin Suzanne Grieger-Langer hat dazu wunderbare Videos gedreht unter anderem dieses hier zum Thema „Schütze dich vor Psychopathen, Soziopathen und Narzissten". Laut Studien liegt der Anteil von Psychopathen bei rund 1% der Weltbevölkerung, Soziopathen bei 3,8 % und Narzissten bei über 8%. Ich behaupte, dass diese Wesen überproportional an der Spitze von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu finden sind, also auch im Kreml, im Weißen Haus und ja auch am Platz der Republik 1. Leider ist es meine eigene Spezies: also weißer alter Mann (besser wäre ja weiser alter Mann, aber der ist anscheinend ausgestorben oder eben nicht an den Schalthebeln der Macht). 

 

Wie gehen wir damit um? Wie kann es sein, dass wenige über das Schicksal vieler entscheiden können und uns im Zweifel in unser Verderben stürzen? Ich denke, dass die wenigsten Russen diesen Krieg wollten, schon gar nicht die Soldaten, die nun in diesem Krieg sterben müssen. 

 

Daher fand ich den Appell an die Mütter der russischen Soldaten von Wolodymy Selenskyj so gut. Frauen und Mütter können in dieser Welt viel Gutes bewegen. 

 

Ich finde es klasse, was gerade an Solidarität passiert und ich hoffe inständig, dass dies auch beim nächsten Konflikt so sein wird, egal ob dieser in Europa, Asien (Stichwort Völkermord an den Rohingya), Afrika oder Amerika sein wird. Insbesondere die wiedererwachte Fridays for Future Bewegung verbindet die Klimafrage mit der Friedensfrage (leider werden im Krieg oft schnell alle anderen Ideale über Bord geworfen). 

 

Denn vermutlich wird der nächste Konflikt kommen. Wir wenden uns von einem Despoten ab und dem nächsten zu (Stichwort Katar). 

 

Ich habe in den letzten Jahren vor allem eines gelernt – Dankbarkeit. Dankbarkeit für die einfachen Dinge – in Frieden zu leben, gesund zu sein, ein Dach (und nicht das schönste) über dem Kopf zu haben. Und Demut, dazu ein schöner Beitrag von Pater Damian

 

Aber wie können nun Kriege verhindert werden? Ehrlich, ich weiß es nicht, aber ich habe eine Idee. Was sich auf der großen Weltbühne als Drama abspielt, passiert uns ja auch oft im Alltag. Der Kleinkrieg in der Familie, in der Arbeit, auf der Straße. Vielleicht sollten wir mal anfangen, diese zu beenden. Das bringt uns dann zu mehr Bewusstsein, Klarheit und ja, auch Demut. 

 

Und dann können wir auch anfangen, unser Wahlsystem in Frage zu stellen, fragen, wer unsere Leader sein sollten, welchen Auftrag diese haben, was wir als Mensch aber auch als Menschheit wirklich erreichen wollen. 


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