Das Böse und Wir

von Peggy Kammer

Das Böse und Wir

 

„Das Böse ist nichts anderes als unsere Weigerung, uns im Anderen zu sehen.“ 

 

Dieser schlaue Satz stammt von Richard Powers.

 

 


Man möchte ihn gerade wieder und immer wieder mantraartig zitieren, laut ausrufen, auf Plakate malen, an Hauswände sprühen, auf Fahnen im Nahen Osten sticken und per Postkarte an alle AfD-Wählenden schicken.

 

 

Und: ihn mit Lippenstift an den eigenen Badezimmerspiegel schreiben.

 

Ja, autsch, um ihn ganz tief ins eigene moralische Gedankenkarussel zu schicken, damit er stets mitfliegt auf dem mehr oder weniger bunten Rummelplatz des Lebens.

 

 

In der letzten Wandelpost (hier nochmal zum Nachlesen) ging es um die Frage, wie Raum für Neues entsteht.

 

Die Frage ist aber auch, wer und was den Raum überhaupt betreten darf.

Wo sind die Grenzen?

 

Wer ist das "wir" oder das "ich" - und wer ist der Andere?

Wo ist das Fremde?

 

 

Byung-Chul Han, Philosoph und einer meiner Lieblingsautoren, schreibt in seinem Buch "Die Errettung des Schönen":

 

"Erfahrung ist ohne Negativität nicht möglich. Das Glatte verletzt nicht. Es verkörpert die heutige Positivgesellschaft. Vom Glatten geht kein Widerstand aus. Jede Negativität wird beseitigt. Das Glatte tilgt sein Gegen. Ein ästhetisches Urteil setzt eine kontemplative Distanz voraus. Die Kunst des Glatten schafft sie ab."

 

 

Jede, wirklich jede individuelle oder kollektive Geschichte von Veränderung beginnt mit einer Begegnung mit dem Fremden.

 

Etwas Unbekanntes, (bisher) Unerhörtes, bislang nicht Gesehenes tritt in das eigene Leben. Und nicht immer reagieren wir darauf mit einem Gefühl von Neugier oder Inspiration.

Im Gegenteil.

 

 

Das Fremde stört.

Es hat die unsichtbare Grenze des vertrauten eigenen Raumes übertreten - und es irritiert, bringt die gewohnten Dinge und Ansichten durcheinander, stellt die Grenze des Eigenen in Frage.

 

Das Fremde kann unseren Raum erweitern.

Oder eben dazu führen, dass man die Grenze noch fester zementiert, und der Raum vielleicht noch kleiner wird, weil er sich aus Angst zusammenzieht.

 

Innen wie Außen.

 

Das Fremde generiert Konflikte - und lädt uns ein zur schöpferischen Auseinandersetzung, zum Lernen, zur Entwicklung.

 

 

Die Frage, die dann noch bleibt, ist:

 

Auf welchem Grund kann die Diversität leben und gedeihen,

ohne vom "Allerlei" zum "Einerlei" zu verkümmern?

 

Ahoi und herzliche Grüße

Peggy

 

 

>>> Und hier geht's zur Wandelpost. 


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