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Mehr Grau bitte!

von Thomas Böhme

Mehr Grau bitte

 

Fragt man Menschen nach ihrer Lieblingsfarbe, werden die wenigsten von uns auf diese Frage mit „Grau“ antworten.

 

Obwohl sie als Farbe starken Einfluss gewonnen hat (viele fahren graue Autos, tragen graue Kleidung) steht sie doch eher für Tristesse und Langweiligkeit. 


Meine Lieblingsfarben sind Blau und Orange, aber seit Neuem auch Grau. Ich bin nicht erst in diesen Tagen für mehr Grau, denn sie ist die moderate Mitte von Schwarz und Weiß. Ich erlebe seit vielen Jahren eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft. Entweder bist du Willkommen-Klatscher oder Nazi, grün-versifft oder strammer Patriot, Greta-Jünger oder Klimawandelleugner und seit neuestem Corona-Leugner oder Gesundheitswart.

 

So kann eine Diskussion und Auseinandersetzung schwerlich gelingen, wenn sich immer mehr Menschen an den Meinungspolen befinden und auf ihren Standpunkten beharren. Diskussion bedeutet im Lateinischen „Prüfung, Untersuchung“. Das heißt für mich, erst einmal den Standpunkt des anderen zuzulassen, zu untersuchen, sich auch mit den Argumenten und der anderen Seite zu beschäftigen.

Ja, das ist mühevoll, aber es lohnt sich!

 

Wie fühlt sich denn der andere, wenn ich verbal auf ihn einprügele, ihn mit meiner Wahrheit missionieren will? Ich nehme mich da selbst nicht aus, reflektiere das aber im Nachhinein und dann kann ich auch auf den Gegenüber wieder eingehen. 

 

Leider ist das in einer Sozial-Media Welt schwieriger geworden als früher auf dem Pausenhof. Da mochte man ja auch nicht jeden, hat aber die anderen akzeptiert/toleriert. In Zeiten von Facebook, Instagram & Co ist es für mich wie ein Brennglas – die Diskussionen gehen schnell nach oben, Hate-Speech ist nicht fern. In einem Vortrag letztes Jahr hat Jim Hagemann Snabe, lange Zeit Vorstand der SAP und somit eigentlich Tech-Jünger, vor der toxischen Wirkung der sozialen Medien gewarnt. Ich kann das nur unterschreiben.

 

Ich wünsche mir, dass die Menschen wieder mehr aufeinander zugehen, die Meinung der anderen auch mal aushalten und gern auch mal zu prüfen und zu hinterfragen, was er damit meint.


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